Cinque Terre: Wandern im Weltkulturerbe

Aktualisiert: 23. Okt. 2019

Die Wanderwege gehören in den Cinque Terre zu den Haupttraktionen. Doch der Massentourismus verdirbt das Vergnügen. Zu den völlig überlaufenen Küstenwegen gibt es jedoch wunderschöne Alternativen. Eine davon nehmen wir in diesem Blogeintrag genauer unter die Lupe.



Von Corniglia geht es in rund vier Stunden über Volastra nach Manarola. Der Weg beginnt hinter der Chiesa di San Pietro und führt erstmal steil über Treppen bergauf. Danach geht es auf einer Hochebene durch Wälder und Terrassen mit atemberaubenden Ausblicken auf Meer und Weinberge nach Volastra. Doch der Reihe nach: Warum wandern wir nicht direkt entlang der Küste?


Keiner ist so bekannt und beliebt wie er: Der Sentiero Azzurro. Der Wanderweg verbindet die fünf Dörfer und besteht aus einfachen Küstenwegen, Saumpfaden, Treppen und dem Liebespfad - Via dell‘Amore. Leider sind allerdings durch einige Erdrutsche und Steinschläge große Abschnitte gesperrt. Der Bereich zwischen Riomaggiore und Manarola wird erst ab April 2021 wiedereröffnet. Neben großen Instandhaltungsproblemen vieler Wege gibt es zudem noch ein Touristenproblem. Die sogenannte Cinque Terre Trekking & Train Card soll eigentlich Abhilfe schaffen. Eine Tageskarte für alle Wanderwege in der Region kostet 7,50€. Wer zusätzlich mit dem Zug fahren möchte, zahlt 16€ in der Hochsaison. Die erhöhte Touristensituation, unter anderem geschuldet durch dutzende Kreuzfahrtschiffe, lässt sich am besten anhand eines kuriosen Verbotes beschreiben. Auf den Wanderwegen herrschen seit kurzem „Flip-Flops-Verbote“. Die Besucher verlassen das Schiff mit dem wirren Glauben, es handele sich um einen romantischen Spaziergang am Strand. Da bevorzugen wir lieber eine weitestgehend einsame Wanderung durch Wälder und Weinberge.


Der schwierigste Teil ist direkt der erste Abschnitt. Sehr steil geht es von Corniglia hinauf auf die Hochebene. Um die heißen Temperaturen zu umgehen, starten wir bereits um 09:00 Uhr. Dennoch legen wir völlig verschwitzt mehrere Pausen ein. Oben angekommen, gibt es allerdings fantastische Ausblicke auf Corniglia und später auch Manarola. Auf dem ersten Meerblick folgt ein größeres Stück durch den Wald. Etwas mehr Schatten ist eine willkommene Abwechslung.



Eben und ohne große Steigungen geht es raus aus dem Walde in das Cinque Terre Weinanbaugebiet. Der Weg führt mitten durch Weinreben und bietet wieder atemberaubende Blicke auf das Meer. Prall gefüllt hängen jede Menge Weintrauben an den dünnen Ästen. Die einen oder anderen Trauben sahen auch schon sehr reif aus. Wie gerne würden wir bei der Ernte zusehen. Dafür sind wir allerdings einen Monat zu früh.



Etwa auf der Hälfte der Strecke erreichen wir Volastra. Sehenswert ist hier die Wallfahrtskirche Santuario di Nostra Signora della Salute - ein sehr kurzer Name. Ebenfalls eignet sich der kleine Ort, um eine Stärkung in einer der Gaststätten vorzunehmen. Unser heimliches Ziel der Wanderung, ist aber ein Weingut in Groppo. Statt direkt nach Manarola weiterzuwandern, machen wir einen Abstecher. Unser Reiseführer hilft uns hierbei leider nicht weiter. Bis heute wissen wir nicht, wie sich die Abbiegung nach Groppo beschreiben lässt. Wir erkundigen uns bei entgegenkommende Wanderer und waren ganz plötzlich irgendwie auf dem richtigen Weg. Fragt hier am besten Einheimische oder besorgt euch Wanderkarten und Wanderapps - wir haben uns nicht vorbereitet und sind einfach losgegangen.



Groppo erreichen wir nach circa fünfzehn bis zwanzig Minuten. Das Dorf wirkt ein wenig verschlafen, kann aber mit der etwas außerhalb gelegenen Cooperativa Agricoltura, eine Genosschenschaftskellerei punkten. 300 Winzer haben sich zusammengeschlossen und bauen gemeinsam auf insgesamt 45 Hektaren Cinque-Terre-DOC-Weine an. Zuerst trauen wir uns nicht so richtig hinein. Wir sind die einzigen Touristen, die ein Weintasting machen wollen. Das überrascht uns. Eine sehr nette Dame empfängt uns und führt durch ihrem Laden. Es gibt viele typische Produkte aus der Region zu entdecken. Neben Oliven, Pestos, Trofies, Artischockencremes sowie Akazien- und Kastanienhonig, gibt es natürlich jede Menge Wein.



Wir haben die Auswahl zwischen verschiedene Tastings und wählen zwei Weißweine und den berühmten Sciacchetrà für fünfzehn Euro. Die Gastgeberin bringt uns sogar drei Weißweine und erklärt uns ausführlich den Weinanbau sowie die Herstellung des Scicacchetrà. Dieser ist ein süßer Likörwein und wird nur in Gemeinden der Cinque Terre hergestellt. Die Trauben bleiben besonders lange an den Reben und werden vor der alkoholischen Gärung getrocknet. Der Wein erhält so seine goldgelbe Färbung und ist einzigartig im Geschmack. Außerdem wird er von den Einheimischen nur zu besonderen Anlässen und niemals alleine getrunken. Zuerst nimmt man einen kleinen Schluck zu sich und taucht anschließend einen Biscuit in den Sciacchetrà - der Geschmack ist unbeschreiblich. Das Weintasting war ein tolles Erlebnis! Ihr werdet sehr herzlich empfangen und bekommt auch eine stattliche Menge eingeschenkt. Genau das Richtige, nach einer dreistündigen Wanderung - oder auch nicht. Ein wenig angeheitert erreichen wir nach gut zwanzig Minuten schlussendlich Manarola.


Die Wanderroute ist sehr abwechslungsreich und sehenswert. Der Weg lässt sich dabei sehr gut laufen und ist lediglich zu Beginn sehr anstrengend. Wir können die Route und auch das Weintasting in Groppo sehr empfehlen. Informiert euch im Voraus über die Wegezustände oder auch, welche weiteren Wege aktuell begehbar und gesperrt sind.


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