Der Ohlsdorfer Friedhof - ein Kulturdenkmal

Aktualisiert: 26. Juni 2020

Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten abseits von Elbe und Alster, zählt der Ohlsdorfer Friedhof. Mit seinen monumentalen Grabstätten und grünem Reichtum ist er viel mehr, als nur eine letzte Ruhestätte.

Bis Ende des 18. Jahrhundert beerdigte man die Verstorbenen in der Regel auf Begräbnisstätten der jeweiligen Hauptkirchen. Aus Kapazitäts- und Hygienegründen beschloss man im Jahr 1812 innerstädtische Beisetzungen zu verbieten. Es wurden fortan vor den Toren Hamburgs ausgedehnte Friedhöfe angelegt. Nach der französischen Besatzung wuchs die Stadt enorm und die geschaffenen Erweiterungen erwiesen sich als zu eng.

Der Hamburger Senat stellte ab 1854 erste Überlegungen zur Erschaffung eines neuen Zentralfriedhofs an. Einige Jahrzehnte später, im Jahr 1877, wurde der Ohlsdorfer Friedhof als Ergebnis dieser Planungen angelegt. Heute gedeihen auf 380 Hektar 450 Laub- und Nadelholzarten. Es ist die größte Grünanlage Hamburgs, sowie der größte Parkfriedhof der Welt.

Zahlreiche Seen und eine einmalige Vegetation machen den Friedhof zu einem Erholungsraum für Menschen und Tiere. Highlight der grünen Oase sind im Frühjahr die zahlreichen Rhododendron und Azaleen. Der gesamte Parkfriedhof gleicht einem Farbenmeer und bricht weitere Rekorde. 36.000 Rhododendren wachsen auf dem Gelände und bilden somit die größte zusammenhängende Rhododendronfläche Europas. Darüber hinaus haben sie einen hohen Symbolwert. Die Pflanzen stehen für viele positive Bedeutungen, unter anderem die Wiederkehr des Lebens und der Einklang mit sich selbst.

Der Ohlsdorfer Friedhof ist ein Gesamtkunstwerk von internationalem Rang. Dazu tragen vor allem die vielen historischen Grabstätten mit mehr als 800 Skulpturen, allen voran die vielen Engelsfiguren bei. Die vermutlich bekannteste Figur, die Christusfigur von Xaver Arnold, steht auf dem Althamburgischen Gedächtnisfriedhof. Der Freund Arnolds, Wilhelm Cordes, machte den Hamburger Friedhof zu seinem Lebenswerk. Cordes war maßgeblich an Entwurf und Planung des Friedhofs beteiligt. Er wollte eine Verbindung von Grabflächen und Erholungsraum für die Hamburger schaffen. Später war Cordes als Bauleiter, Friedhofsverwalter und bis zu seinem Tode im Jahr 1917 als Friedhofsdirektor tätig. Die Anlage hatte bis dahin bereits eine Größe von 193 Hektar erreicht.

Mittlerweile trifft an manchen Stellen der Luxus auf Verfall. Auf dem Friedhof verrotten zahlreiche Mausoleen. Hinter der Kapelle 7 steht das Größte auf der Anlage. Der achteckige Kuppelbau hat die Fläche eines Tennisplatzes. 2008 hatte ein Hamburger Unternehmer für eine hohe Summe das Gebäude für die nächsten 100 Jahre gepachtet. Nun scheint das Millionengrab endgültig zu verfallen. Der Ohlsdorfer Friedhof ist dennoch und zurecht mit der besonderen Kombination aus historischen Grabanlagen und grünen Parkanlagen ein einzigartiges Kulturdenkmal. Besucher sind hier zu jeder Jahreszeit willkommen.


Kamera: Kiev 60

Film: Ilford Delta 400


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