Cinque Terre: Italiens malerische Fischerdörfer

Aktualisiert: 12. Okt. 2019

Wenn wir an Cinque Terre denken haben vermutlich alle Fotografen das bekannte Fotomotiv mit dem Fischerdorf Manarola vor Augen. Ist nur das die Cinque Terre? Was die fünf Dörfer an der schroffen italienischen Riviera noch zu bieten haben, erfahrt ihr in diesem Blog-Eintrag.

Cinque Terre ist die Bezeichnung für fünf idyllische Nachbargemeinden an der italienischen Westküste. Bekannt sind sie für ihre bunten Häuser, steilen Weinberge sowie ihre kulinarischen Köstlichkeiten. Diverse Wanderwege verbinden die Dörfer und bieten traumhafte Panoramaausblicke über das Meer. Grund genug für unseren ersten Italien Urlaub.


Anreisen kann man bestenfalls über Genua oder Pisa. Wer von Hamburg fliegt, muss mit Mailand vorliebnehmen. Von Mailand geht es rund dreieinhalb Stunden mit dem Zug nach Levanto oder La Spezia. Wir entschieden uns für eine Unterkunft in La Spezia. In den fünf Dörfern selbst, kostet die Übernachtung ein Vielfaches. Mit dem Zug sind es rund fünf Minuten bis zum ersten Ort, Riomaggiore. Möchtet ihr ein Dorf weiter, nach Manarola fahren, kommen gerade einmal gefühlte dreißig Sekunden Fahrtzeit oben drauf. Nach Corniglia, Vernazza und Monterosso sind es weitere drei bis fünf Minuten. Mit dem Auto anzureisen gestaltet sich aufgrund der Infrastruktur der Orte und mangelnden Parkplätzen schwierig. In den meisten Reisführern wird davon abgeraten.


Nachdem wir Mailand einen Tag besichtigten, ging es früh morgens mit dem Zug nach La Spezia. Wir entscheiden uns spontan, bereits in Monterosso auszusteigen, da wir aufgrund des Check-ins noch ein bisschen Zeit überbrücken müssen. Es ist der einzige Ort mit einem großen Strand. Wer sich gerne sonnt und baden geht, ist hier genau richtig. Ansonsten ist Monterosso mit seiner langen Uferpromenade das untypischste Cinque Terre Dorf.



Am Nachmittag besuchen wir Manarola. Das farbenfrohe Dorf präsentiert sich auf einem schroffen Felsen, der senkrecht ins leuchtend blaue Meer abfällt. Eine Hauptstraße mit vielen kleinen Restaurants und Cafés schlängelt sich durch den Ort. Abseits der Straße, sind die in einem engen Tal übereinander türmenden Häuser, über steile und verwinkelte Treppen zu erreichen. Vom Hafen führt ein schmaler Weg zum Aussichtspunkt Punta Bonfiglia. Es ist der wohl bekannteste Weg Cinque Terres. Fotografen bauen hier gerne ihre Stative auf und beobachten, wie die letzten Sonnenstrahlen die bunten Häuser erreichen. Bis zum Sonnenuntergang blieb uns aber noch genügend Zeit für einen Aperol Spritz im Nessun Dorma. Das Restaurant liegt oberhalb des Weges und bietet ebenfalls einen tollen Blick auf Manarola. Perfekt um den ersten Abend in Cinque Terre ausklingen zu lassen.


Trotz römische Wurzeln, stammt der Ortskern aus dem zwölften Jahrhundert. Bewohner aus dem oberhalb gelegenen Volastra besiedelten Manarola, um mehr Ressourcen nutzen zu können. Für die Genuaer Papierindustrie wurden zwanzig Mühlen errichtet. Ihre Aufgabe war es, Blätter der Pappeln zu pressen und Zellulose für die Papierherstellung zu gewinnen. Die großen Räder der Mühlen sollen angeblich zur Namensgebung beigetragen haben. „Großes Rad“ bedeutet im Lateinischen „Magna Rota“. Eine andere Variante beruft sich auf „Manium Arula“, was auf Deutsch „Kleiner Altar der Manen“ bedeutet.


Dreißig Grad und strahlender Sonnenschein sind vorausgesagt. Dennoch entscheiden wir uns am zweiten Tag unserer Reise Wandern zu gehen. Die eindrucksvollsten Wanderwege der Region führen alle von Corniglia aus. Corniglia ist im Gegensatz zu den anderen Ortschaften nicht direkt am Wasser gebaut. Der Ort liegt hundert Meter über dem Meeresspiegel auf einem Felsen. Für Touristen ist das Dorf, auch weil das Ortszentrum vergleichsweise mühsam zu erreichen ist, weniger Interessant. Corniglia hat so, seinen ursprünglichen Charakter am längsten behalten. Vom Bahnhof führt ein steiler Treppenweg hoch hinauf in das Dorf. Eine Sage besagt, dass es sich um 365 Stufen handelt. Eine Stufe für jeden Tag des Jahres. Wir nehmen lieber den Bus. Zwischen Bahnhof und Ortszentrum pendelt circa alle zwanzig Minuten ein Shuttle. Eine weise Entscheidung, denn der Beginn unserer Wanderung nach Manarola, war alles andere als leicht. Über die Wanderung habe ich einen eigenen Artikel geschrieben.



Am späten Nachmittag geht es nach Vernazza. Mit rund zwei Millionen Gästen pro Jahr ist das 600-Einwohner Dorf der meistbesuchte Ort. Wir merken zum ersten Mal, wie voll die Orte an einem schönen Sommertag sind. Es dauerte ein wenig, bis wir in dem großen Touristenstrom den Bahnhof verlassen. Dennoch wird Vernazza zu Recht als eines der schönsten Dörfer Italiens beschrieben. Der Hafen ist umgeben von bunten Häusern und gilt als beliebter Treffpunkt für Einheimische und Touristen. Großeltern und Eltern sitzen vor ihren Häusern und schauen den Kindern beim Spielen zu. Zwei kleine Mädchen zeigen uns stolz einen selbstgefangenen Fisch. Er darf in einem großen Eimer noch ein paar Runden schwimmen. An einer anderen Ecke beobachten fünf ältere Männer mit ihrem Krückstock das Treiben der Touristen. Eine richtige „Senioren-Gang“. In Cinque Terre hat alles einen ganz eigenen Charme - auch die Einheimischen. Wer hier hinfährt, erlebt Italien ein bisschen wie im Klischee.


Vernazza hat seine Namensgebung der Rebsorte Vernaccia zu verdanken. Das Dorf wurde wahrscheinlich ebenfalls von Römern gegründet und erst im elften Jahrundert richtig besiedelt. Im Krieg der Genuesen gegen Pisa entwickelte sich der Ort zu einem begehrten Schutzhafen. Jedoch kaperten die in Vernazza lebenden Seeleute auch leidenschaftlich gern vorbeifahrende Schiffe der Genuesen.


Mit dem Bus geht es an unserem letzten Reisetag nach Portovenere. Das inoffizielle sechste Dorf. Der Bus ist alles andere als leer. Wir quetschen uns gerade so in die letzte Ecke und vergessen dabei völlig ein Ticket zu kaufen. Beziehungsweise finden wir auch keinen Weg zum Busfahrer. (Ausrede) Nach fünf bis sechs Stationen steigt prompt eine Fahrkartenkontrolle ein. Wie durch ein Wunder werden wir nicht kontrolliert. Der Polizist dachte, dass wir seinen Kollegen die Tickets gezeigt hatten. Dafür wurden wir mit erhöhten Pulsdruck bestraft. Kleiner Tipp am Rande: Besorgt euch eine Fahrkarte! In Cinque Terre wird in Bus und Bahn ständig kontrolliert. Wir starten unseren Aufenthalt mit einem Spaziergang durch die idyllischen Gassen. Im Bajeicò - La Bottega del Pesto legen wir einen kleinen Stop ein. Dort könnt ihr bei der Pesto Herstellung zuschauen und natürlich auch probieren. Am Ende des Weges gelangen wir zu der einzigartigen Chiesa di San Pietro. Für viele ist die Kirche, die auf einer Halbinsel im Meer den Wellen trotzt, der Hauptgrund für Ihren Besuch. Bevor wir uns nochmal stärken und die Heimreise antreten, gingen wir auf den Friedhof von Portovenere. Im Mittelmeerraum sind häufig auf den Friedhöfen oberirdische, bis zu sieben Stockwerken hohe, Nischengräber zu finden. Jede Grabnische verfügt über ein Foto und eine Blumenvase. Das Fotografieren auf dem Friedhof ist untersagt. Mit Blick auf das Meer, haben wir bisher noch keinen schöneren Ort für die letzte Ruhestätte gesehen.


Den letzten Abend verbringen wir in Riomaggiore. Eines können wir vorweg nehmen - neben Corniglia ist dies unser Lieblingsort. Kleine Fischerboote schaukeln gemütlich vor schmalen Häusern, die in knalligen Farben an den Felshängen liegen, im Hafen umher. Die Hauptstraße Via Colombo führt vom Tunnel aus, an Restaurants und Geschäften durch das Dorf. Jeder Meter des engen Tals wurde ausgenutzt. Turmartige Häuser ziehen sich links und rechts den Hängen hoch. Zusätzlich parken im kleinen Fischerviertel, neben Focaccerias und Eisdielen, Boote auf der Straße. Den beeindruckendsten Anblick bekommt ihr von der Wasserseite aus. Über einen schmalen Weg lassen sich die im Wasser liegenden Wellenbrecher erreichen. Mit ein wenig Geschick kann man diese gut besteigen und auf den Sonnenuntergang warten. Vorher allerdings gibt es für uns im Veciu Muin Aperol Spritz und Gnocchis, mit dem aus der Region stammenden Pesto Genovese. Ebenfalls zu empfehlen ist es, der Hauptstraße zu weichen und die Seitengassen zu erkunden. Aber Vorsicht, Riomaggiore ist sehr steil. Wir haben noch nie so enge und hohe Gassen gesehen. Kurz zusammengefasst: ein wunderschöner Ort - vielleicht der schönste in Cinque Terre.



Cinque Terre ist kein Geheimtipp mehr. Allen voran im Hochsommer. Es kann auf den Straßen und Wanderwegen sehr voll werden. Wer dem Trubel scheut, sollte nicht in den Sommermonaten anreisen. Im Vorfeld haben wir viele negative Reiseberichte gelesen. Der Hauptgrund war immer der Massentourismus. Erst recht, wenn in La Spezia ein Kreuzfahrtschiff anlegt. Die Menschen sollen sich bis zum Anschlag in die Züge nach Manarola und Vernazza reinquetschen. Wir waren tatsächlich kurz davor, unsere Reise aus diesem Grund nicht zu buchen. Unterm Strich haben wir es aber zu keinem Zeitpunkt bereut. Wir fanden es durchaus erträglich - in Hamburg, Berlin oder Mailand sind genauso viele Menschen unterwegs. Dies ist heutzutage einfach nicht mehr ungewöhnlich. Darüberhinaus sind wir frühaufsteher und immer auf der Jagd nach dem richtigen Licht. Ein Fotograf steht früh auf und geht spät schlafen. Der Mittag dient dann eher der Erholung. Dementsprechend haben wir von den Menschenmassen wenig mitbekommen. Cinque Terre hat enorm viel zu bieten. Allen voran das Lebensgefühl der Region. Lasst euch in Cinque Terre am besten zu Um- und Abwegen, einem Glas Aperol Spritz, jede Menge Pesto und italienischer Musik verleiten. Ihr werdet es nicht bereuen!

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